12. Montage
12.1 Grundlagen
Bevor ein Mainboard überhaupt in ein Gehäuse eingebaut werden kann,
muss man es bekanntlich aus der Verpackung nehmen - was durchaus zum
Problem werden kann. Viele sind sich nicht bewusst, was beim unachtsamen
Hantieren mit elektronischen Bauteilen passieren kann. Das Hauptproblem
liegt in der statischen Aufladung einer Person, die beim Kontakt mit einem
leitenden Bauteil eine elektrische Ladung an das Bauteil abgibt - und es
damit soweit schädigen kann, das es im "günstigen" Fall sofort kaputt
geht, im ungünstigen noch einige Zeit seinen Dienst versieht und und u.U.
allerlei seltsame Effekt erzeugt...
Besonders gefährlich ist dies bei Produkten mit offen liegenden
Leiterbahnen- oder Pins, wie Mainboards, CPUs, Speichermodule oder den
offen liegenden Platinen an der Unterseite von diversen Laufwerken. All
diese Dinge sollte man generell nicht berühren, falls es sich vermeiden
lässt.
Soweit die Theorie. In der Praxis ist das häufig alles halb so wild,
wenn es einem nicht auf einen Garantieanspruch nach kurzer Zeit ankommt;
trotzdem sollte man auf eine halbwegs antistatische Arbeitsweise achten.
Also: Schuhe mit Kunststoff-Sohlen ausziehen und möglichst wenig
Kleidungsteile übereinander anziehen (weil Reibung statische Aufladung
bewirkt). Man sollte Baumwolle bevorzugen und Synthetik wie
Polester/Polyamid meiden. Das gilt auch für die Sitzfläche des Stuhles.
Vor dem Auspacken der Bauteile aus der (hoffentlich vorhandenen)
Antistatikhülle sollte man sich selber, den Computer und die neue
Komponente auf ein gemeinsames elektrisches Potential bringen. Dafür kann
man eine geerdete, möglichst unlackierte, metallische Stelle im Haus
anfassen, wie etwa einen Heizkörper. So können die überschüssigen Ladungen
abfließen. Wenn der Mensch sich an der Heizung auf Erdniveau gebracht hat,
ist aber noch lange nicht gewährleistet, dass sich Mainboard und
PC-Gehäuse (welche zum Zeitpunkt des Einbaus nicht über das Netzkabel
geerdet sind) ebenfalls auf Erdniveau befinden. Ergo bringt das alleinige
Berühren der Heizung durch den Menschen nichts. Daher sollte man, während
man die geerdete Heizung berührt, gleichzeitig auch eine blanke, leitende
Stelle des PC-Gehäuses berühren, um es per Körperleitung auf Erdniveau zu
bringen. Einzubauende Komponenten belässt man zunächst in Ihrer
antistatischen Verpackung. Dann berührt man diese (leitende) Verpackung
gleichzeitig mit der geerdeten Heizung. Dadurch müsste der Inhalt ohne
Zerstörung auf das Erdniveau gebracht sein. Jetzt haben Mensch, Gehäuse
und Elektronik alle das gleiche Erdniveau. Für die bei Mainboards
beiliegenden Antistatikmatten gilt die selbe Vorgehensweise. Erst nach dem
Potentialausgelich kann die Elektronik der Verpackung entnommen und
weiterverarbeitet werden. Nach der Erdung sollte man natürlich nicht
wieder 20m zurücklegen müssen, denn durch Teppichböden etc. lädt man sich
wieder auf; aber selbst das Herumrutschen auf einem Stuhl kann zu
statischer Aufladung führen. Grundsätzlich schadet es auch nicht, die
verwendeten Bauteile möglichst an den Kanten und nicht auf den
Leiterbahnen anzufassen.
Für den Ladungsausgleich sollte man zur Vermeidung seltsamer
Entladungs-Verrenkungen das im Handel für geringes Geld erhältliches
leitende Armband nehmen, das per hochohmigen Widerstand mit Erdpotential
verbunden wird. Dieses Armband schützt somit auch vor unfreiwilliger
Wiederaufladung. Aber _auf keinen Fall_ darf man so etwas selber basteln,
indem man meinetwegen eine alte Armbanduhr mit Metallband mit einem Draht
versieht und diesen per Schutzleiter oder per Heizung oder auch sonstiger
niederohmiger Erdung auf Erdpotential bringt! Berührt man dann nämlich mal
versehentlich einen netzspannungsführenden Teil, vorzugsweise mit der
anderen Hand, so braucht man anschliessend einen Bestattungsunternehmer.
Die Erdung des Bastlers muss über einen sehr hochohmigen Widerstand
erfolgen, welcher statische Aufladungen immer noch bestens ableiten kann,
der aber gleichzeitig den über das Armband fliessenden Strom auf
ungefährliche Werte begrenzt, wenn unser Bastler mal Phasenprüfer
spielt.
Beim Einbau braucht man grundsätzlich keine Gewalt anzuwenden,
lediglich Speichermodule (Kap. 12.3.3) und Kühler (Kap. 12.3.2) bereiten
beim Einbau häufig etwas mehr Probleme. Alle anderen Bauteile sollten sich
relativ leicht einbauen lassen. Also: Wenn etwas hakt sollte man
nachschauen, _wo_ es hakt und nicht immer weiter Druck ausüben. Eine
weitere beliebte Fehlerquelle sind die Anschlüsse für Flachbandkabel wie
IDE- und Floppy-Steckplätze. Hier gibt es 2 Möglichkeiten, den Stecker
aufzustecken. Oft hilft ein Blick ins Handbuch oder auf das Mainboard
selber: wichtig ist die Stelle am Steckplatz, wo die Leiterbahn 1 liegt.
Sie ist häufig mit einer kleinen "1" schräg über dem Steckplatz
gekennzeichnet. Auf der Seite, wo die 1 steht, muss die mit rot
gekennzeichnete Leiterbahn des Flachbandkabels liegen. Ausserdem haben die
Floppykabel mehrere Abgriffe. Dir Abgriffe vor der Kabeldrehung sorgen
dafür, dass angeschlossene Geräte automatisch zu Laufwerk "B:" werden, die
Abgriffe hinter der Drehung (also am Kabelende) erzeugen ein Laufwerk
"A:", was i.d.R. korrekt sein sollte. Wer verpolungssichere Kabel
verwendet, die eine kleine Plastiknase am Stecker besitzen damit sie nur
in einer Richtung eingesetzt werden können, erspart sich natürlich die
Blicke ins Handbuch und auf das Board. 80-polige ATA/66, ATA/100 und
ATA/133 Kabel sind i.d.R. genau so ausgeführt; hier ist lediglich zu
beachten, dass der blaue Stecker des Flachbandkabels auf das Mainboard
(oder auf den Controller) kommt und der schwarze Stecker an das Gerät
angeschlossen wird.
12.2 Wie
wird ein Board befestigt?
Früher gab es nur AT-Boards bzw. nur das AT-Layout für Mainboards und
Gehäuse. Dieser Standard wurde als Grundlage für eine neue Spezifikation
genommen, der ATX-Bauform (ATX = Advanced Technology eXtended). Ihr
Hauptmerkmal ist das gegenüber AT um 90° gedrehte Boardlayout und die
neuen Stromstecker für die Stromzufuhr der Mainboards. "Micro-ATX" hat zu
ATX keine Unterschiede im Layout, jedoch ist die Platine wesentlich
kleiner und verbraucht so weniger Platz im Gehäuse. Micro-ATX-Boards sind
somit häufig billiger als ihre großen ATX-Brüder.
Ein Nachfolger für ATX ist auch schon in Sicht: Intel hatte schon
mehrmals unter dem Codenamen "Big Water" die Entwicklung einer neuen
Spezifikation angekündigt, nun wurde der offizielle Name bekannt gegeben:
"Balanced Technology eXtended form factor", oder kurz "BTX". Erste Details
dazu finden sich unter
http://www.anandtech.com/showdoc.html?i=1876 Riser-Boards hingegen
sind heute nur noch selten anzutreffen. Bei den Riser-Boards wird auf dem
Boden des Gehäuses nur eine sehr kleine Platine aufgebracht, die nur
wenige Funktionen übernimmt. Der Chipsatz selber und die Slots etc. liegen
dann auf der Riser-Karte, die in die Platine auf dem Boden des Gehäuses
gesteckt und somit mit ihr verbunden wird. Diese Konstruktion erlaubt
häufig auch ausgefallenere Gehäuse-Designs, jedoch lassen sich diese
Boards meist nicht in Standard-Gehäusen installieren.
Aufgrund dieser Unterschiede in der Bauform sollte man schon vor dem
Kauf eines Mainboards, eines Gehäuses oder eines Netzteiles darauf achten,
dass dies mit den anderen Komponenten zusammenpasst. ATX und Baby-AT
bieten somit verschiedene Ausstanzungen auf den Boards. Das Board wird
mittels so genannter "Spacer" (Platzhalter) auf dem Mainboardträger des
Gehäuses angebracht, damit kein direkter Kontakt zwischen Board und
Gehäuse besteht; andernfalls gäbe es unweigerlich einen Kurzschluss und
das Board wäre hin. Die Spacer gibt es in den verschiedensten
Ausführungen, häufig liegen den Gehäusen sogar verschiedene Varianten der
Spacer bei, z.B. Plastikspacer zum Fixieren und Kupferspacer mit
Innengewinde ("Stud") zum Festschrauben. Beim Einbau werden erst die Studs
in den Mainboardträger geschraubt. Anschließend wird das Motherboard
darauf gelegt und mit Schrauben an den Studs befestigt. Manchmal muss
unter die Schraube eine Kunststofffeder gelegt werden, um keinen
elektrischen Kontakt zu nahe liegenden Leiterbahnen aufzubauen. Im
Zweifelsfall sollte hier das Handbuch des Gehäuses oder des Mainboards
Klarheit schaffen.
12.3
Montage/Demontage der einzelnen Komponenten
Bei allen Installationsarbeiten ist der Rechner vorher von der
Stromversorgung komplett zu trennen!
12.3.1
CPU
Die Installation der CPU selber, egal ob Sockel oder Slot, ist i.d.R.
relativ einfach.
Bei der Slot-CPU muss die CPU lediglich so lange in den Slot gedrückt
werden, bis die dafür vorgesehenen Plastikklemmen einrasten. Die Slot-CPU
kann durch eine asymmetrische Aussparung nicht falsch herum eingesetzt
werden.
Sockel-CPU´s werden in so genannten ZIF-Sockeln installiert, wobei
"ZIF" für "zero insertion force", also "Installation ohne Kraftaufwand"
steht - und das sollte man wörtlich nehmen! Falls die CPU nicht
widerstandslos eingesetzt werden kann, besteht die Gefahr, dass die Pins
unter der CPU sich verbiegen - adé CPU! Um die CPU in den ZIF-Sockel
einzusetzen, hebt man zunächst den Hebel am Sockel aus der Verankerung bis
zum Anschlag an. Dann setzt man die CPU in den Sockel ein, bis alle Pins
verschwunden sind und die CPU Plan auf dem Sockel liegt. Wichtig: die Ecke
mit Pin 1 ist i.d.R. abgeschrägt und zusätzlich auf der CPU mit einem
Punkt versehen. Ist die CPU eingesetzt, wird der Hebel wieder bis zum
Einrasten Richtung Board gedrückt - jetzt ist die CPU fixiert.
Etwas Besonderes stellen LGA-CPUs (wie der Pentium 4 Prescott im
LGA-775) dar: sie haben keine Pins mehr unter dem Gehäuse, sondern
Ausbuchtungen (Land Grid Array). Die Pins sitzen daher im Sockel
auf dem Mainboard. Die Vorgehensweise bei der CPU-Installation
unterscheidet sich nicht so wesentlich von der im ZIF-Sockel,
trotzdem soll die grundsätzliche Vorgehensweise kurz erleutert
werden. Beim junfräulichen Mainboard ist zunächst der seitliche
Hebel am Sockel anzuheben, so daß der Metalldeckel auf dem
Sockel zur Seite weggeklappt werden kann. Dabei sollte man
unbedingt vermeiden, die winzigen Pins im inneren des Sockels
zu berühren. Nun setzt man die CPU vorsichtig(!) und ohne zu
verkanten auf die Pins. Auch hier weist ein kleiner Pfeil auf
Sockel und CPU die richtige Richtung an. Hat alles geklappt, so
kann der Metalldeckel wieder aufgesetzt und mit dem Hebel
arretiert werden. Allzu häufig sollte man die Prozedur aber nicht
machen, ansonsten kann leicht ein Mainboardtausch fällig werden...
12.3.2
Kühler
Beim Montieren eines Kühlkörpers ist große Vorsicht anzuraten, da man
dabei nämlich leicht CPU und/oder Mainboard zerstören kann.
Als Erstes sollte man den Rechner bzw. das Mainboard so hinlegen, dass
man den CPU-Sockel gut erreichen kann. Es empfiehlt sich immer, das
Mainboard aus dem Gehäuse bei der Montage des Kühlers heraus zu nehmen.
Hat man einen herausnehmbaren Mainboard-Träger im Tower oder kann durch
eine Schublade das montierte Board herausgenommen werden, so reicht dies
meistens aus. Dann sollte man das Mainboard an einem gut beleuchteten Ort
hinlegen (z.B. Küchentisch), wo man auch flach über das Mainboard schauen
kann. Damit kann man sehen, wie der Kühlkörper auf dem Prozessor
liegt.
Was danach geschieht hängt zumindest laut AMD im Wesentlichen davon ab,
wie die CPU "verpackt" ist. Im Datenblatt 26951 wird zwischen CPUs mit
Heatspreader (AMD Athlon 64, Athlon 64 FX, Opteron; bei Intel wäre das der
Pentium 4 und XEON) und ohne Heatspreader (AMD Athlon, Athlon XP, Duron;
bei Intel Pentium III FCPGA etc.) unterschieden. Für CPUs ohne
Heatspreader sollte ein Thermopad bzw. Phase-Change Pad verwendet werden,
für CPUs mit Heatspreader Thermo-Paste.
Paste sollte grundsätzlich hauchdünn (weniger als 0.1 mm Dicke - eine
Stecknadelkopf große Menge genügt) direkt auf den Prozessorkern (das Die)
aufgebracht werden. Dies ermöglicht die beste Wärmeleitung. Wichtig ist
dabei, dass man nicht zuviel Paste verwendet, da nur die extrem kleinen
Unebeneheiten und Riefen auf dem Die und der Unterseite des Kühlers
ausgefüllt werden sollen; die Paste ist *nicht* für den *grundsätzlichen*
thermischen Übergang Die-Kühlkörper gedacht. Falls man auf dem Kühlkörper
für eine CPU mit Heatspreader bereits ein (unbenutztes) Wärmeleitpad
vorfindet, kann man dieses mit einer Kreditkarte (oder ähnlichem)
entfernen, dann mit Alkohol, Waschbenzin oder Aceton weiter "putzen" und
anschliessend auf dem Prozessor hauchdünn Wärmeleitpaste auftragen. Die
normalerweise auf billigen Kühlern angebrachten Wärmeleitpads leiten die
Wärme schlechter als Wärmeleitpaste, deswegen sollte ihr Einsatz vermieden
werden. Falls man auf einer CPU ohne Heatspreader ein Phase-Change Pad
einsetzen möchte, sollte man sich an die Empfehlungen des Herstellers
halten. Hat man den Kühler nach dem Betrieb einmal entfernt, so sind auf
jeden Fall Rückstände alter Wärmeleitpaste oder -folie zu entfernen.
Danach sollte der Kühler FLACH aufgesetzt werden, denn hier
"zerbröselt" der Prozessorkern, wenn man den Kühler verkanntet. Meiden
sollte man jegliche Verschiebung, Drehung und das Einwirken von Kraft, die
nicht senktrecht auf das Die wirkt. Bei CPUs von AMD existieren 4
Schaumgummi-Polster. Auf denen sollte der Kühlkörper jetzt weich aufliegen
und noch nicht das Die berühren.
Damit man bei der Montage den Kühlkörper nicht verkanten kann, was das
Die zerstören würde, wird immer wieder ein "Spacer" empfohlen. Sein
eigentlicher Zweck besteht in der Vereinfachung der Kühler-Montage; er ist
nicht zum Senken der Temperatur gedacht und geeignet. Spacer haben aber
ein Problem: Das Die wird nie völlig eben gefertig sein und auch dessen
Höhe kann variieren. Somit kann, auch wenn der Spacer ideal eben wäre (was
meist nicht der Fall ist - es sind eher gefährliche Verbiegungen zu
beobachten) der Spacer nicht garantieren, dass der Kühlkörper immer
optimal auf dem Die aufsetzen kann. Damit entsteht ein gefährlicher
Luftspalt zwischen Kühlkörper und CPU, was ein sehr schnelles Ableben der
CPU zur Folge haben kann. Bei Verwendung eines Spacers ist es also
besonders wichtig nach der Montage genau nachzusehen, ob der Kühlkörper
auf der CPU auch aufliegt - daher der "Küchentisch" als Montagestätte.
Nun wird der Haltebügel des Kühlers zuerst auf der schwieriger
zugänglichen Seite eingehängt. Um eine optimale Wärmeleitung zu erreichen
ist ein hoher Anpressdruck nötig, diese Tatsache erschwert das Montieren
stark. Um die zweite Seite des Haltebügels nun herunter zu drücken und
einzuhängen sind oft Hilfsmittel nötig, wie z.B. Schraubenzieher. Die
Gefahr des Abrutschens ist dabei groß, deshalb sollte ihr Einsatz
möglichst vermieden werden. Falls man auf diese Hilfsmittel nicht
verzichten kann sollte das Mainboards durch ein Stück Stoff oder ähnliches
geschützt sein.
Moderne (und schwere) Kühlkörper werden häufig anders montiert. Diese
Kühlkörper nutzen die 4 Löcher in den Mainboards zur Befestigung. Eine
Anleitung liegt diesen Kühlern in der Regel bei, wichtig ist dabei vor
allem, dass man die Spacer in der richtigen Art und Weise verwendet, um
das Board nicht zu beschädigen und um die richtigen Abstände zu bewahren,
damit der Kühler später optimal angepresst wird.
Die Montage eines Kühlkörpers auf einem Prozessor mit "integriertem
heat spreader" (IHS), wie bei neueren Celeron, Pentium III, Pentium 4 oder
Athlon 64, gestaltet sich dagegen einfacher. Das Die kann nicht mehr durch
Verkanten splittern, da es durch den IHS geschützt ist. Einen IHS erkennt
man gut an der grossen metallischen Fläche (meist vernickeltes Kupfer), im
Gegensatz zur recht kleinen Fläche des Dies auf dem CPU-Träger. Aufpassen
sollte man nur darauf, dass der Kühler nicht eine derart hohe Anpresskraft
entwickelt, dass das Motherboard dabei _stark_ durchbiegt. Es könnten
Leiterbahnen zerreißen. Eine kleinere ("gesund aussehende") Durchbiegung
ist bei der Montage z.B. des Pentium 4 Kühlers aber normal. Sollte der
Kühler das Board zu stark durchbiegen, ist dies ein Grund für
Garantieansprüche beim Kühlerhersteller.
Die meisten anderen CPUs von Intel, die noch im Handel sind, haben
dagegen auch ein frei liegendes Die, wie die Prozessoren von AMD. Da sie
aber die Schaumgummi-Polster nicht besitzen, ist hier noch größere
Vorsicht bei der Montage anzuraten. Durch Verkratzen kann sehr schnell das
Die beschädigt werden.
Abschliessend muss nur noch das Stromkabel des Lüfters am Mainboard
angeschlossen werden. Hier hilft ein Blick ins Handbuch, denn häufig
starten einige Mainboards nur, wenn das Tachosignal des Lüfters an einem
bestimmten Anschluss anliegt.
12.3.3
RAM
Wer mitdenkt, kann bei der Kühlermontage, wo das Motherboard frei und
gut einsehbar liegen sollte, den RAM gleich mit montieren. Das erspart dem
ungeübten Bastler Fummelei.
Grundvoraussetzung für die Installation des Hauptspeichers ist das
Vorhandensein der richtigen Speicherart. Was sich trivial anhört hat schon
zu vielen Problemen geführt. Wer also nicht weiß, welches RAM ins
Mainboard gehört, ob er die richtige Speicherart hat oder wie viel
Speicher sein Mainboard verträgt, der sollte sich in dieser FAQ zunächst
die Kapitel über Chipsätze (Kap. 2.1) und RAM (Kap. 8) ansehen. Auch für
die Speichermodule gilt, dass sie grundsätzlich asymmetrische Aussparungen
haben, weshalb sie nicht ohne Gewalt falsch herum eingebaut werden können.
Außerdem sollte man bei RAM-Modulen immer im ersten Slot mit der
Installation beginnen und erst dann die höheren Slot-Nummern belegen.
Zudem ist das Mischen von 3.3V (DIMM) und 5V (SIMM)-Modulen i.d.R. nicht
gestattet!
Je nach Art der Speicherbausteine unterscheidet sich die Installation
etwas. Bei den älteren SIMM´s und EDO-RAM´s (60 oder 72 Pin) wird das
Speichermodul schräg (etwa 45° zum Slot geneigt) im Slot angelegt
(Vorsicht: nicht die relativ empfindlichen U-Kontakte im Slot
beschädigen!) und dann in die Vertikale gekippt, bis beide Seiten in den
dafür vorgesehenen Clips einrasten.
Bei Speicherbausteinen vom DIMM-Typ (SDRAM, DDR-RAM, RDRAM) wird das
Modul direkt vertikal (90° zum Board) angesetzt und dann möglichst
gleichmäßig soweit in den Slot gepresst, bis die Plastiklaschen in den
Kerben des Speichermoduls einrasten. Dies erfordert häufig etwas höheren
Kraftaufwand; trotzdem sollte man noch einmal nachschauen, ob man das
Modul nicht falsch angesetzt hat, wenn das Modul sich nicht
herunterdrücken lässt. Die Module sind mit Kerben so codiert, dass sie
nicht falsch herum installiert werden können. Sind die seitlichen Laschen
eingerastet, ist die Installation erfolgreich.
12.3.4
AGP/PCI
Diese Steckkarten gehen normalerweise sehr einfach einzubauen,
wenngleich dass komplette Hineindrücken beim AGP-Slot etwas größeren
Kraftaufwand erfordert. Das Installationsproblem liegt vielmehr häufig
darin, dass die Karten nicht richtig eingesetzt sind und dadurch beim
Einschalten der Stromversorgung Schaden nehmen. Beim Einbau ist also
darauf zu achten, dass die Kontakte der Karte komplett im jeweiligen Slot
verschwinden, und dass die Karte gerade im Slot sitzt. Meist sitzen die
Karten an der Gehäuseseite fest im Slot, aber auf der Seite zur
Gehäusemitte hin steht die Karte aus dem Slot heraus. Einige
Boardhersteller bieten aufgrund dieser Problematik mittlerweile
Plastiklaschen an den AGP-Slots, die das Herausrutschen der Grafikkarte
aus dem AGP-Slot verhindern sollen. Leider führt aber genau diese Lasche
häufig dazu, dass die AGP-Karte aufgrund ihrer Bauform dann nicht mehr in
den Slot passt! Generell ist darauf zu achten, dass die Steckkarte auch
wirklich im Slot sitzt und nicht nur das Blech von der Blende am Gehäuse
aufsetzt und ein weiteres Hineinrutschen in den Slot verhindert. Hier
hilft nur das Biegen des Slotbleches, denn es ist kein Weg bekannt, wie
man das Motherboard "höherlegen" kann. Modernere Gehäuse sollten derartige
Toleranzen nicht aufweisen.
Außerdem gibt es auf einigen Boards AGP-Slots, die so kodiert sind,
dass nur noch 1.5V-Karten und keine 3.3V-Karten mehr eingesetzt werden
können. Alle AGP4X-Karten können im 1.5V Modus laufen. Leider gibt es aber
auch einige AGP2X-Karten, die sich fälschlicherweise in Boards einbauen
lassen, die nur noch 1.5V AGP können (alle i845, i850/E, i860, alle
nForce, etc.) - und zerstören dabei Mainboard und sich selbst. Hier ist
also besondere Vorsicht geboten!
Auch bei PCI gibt es mittlerweile verschiedene Standards, nämlich 32Bit
und 64Bit PCI. Diese unterscheiden sich aber bereits in der Bauform der
Slots. Hier ist bereits beim Kauf der Karten oder des Boards darauf zu
achten, dass sie wirklich in das System installiert werden können!
32Bit-Karten passen zwar in die 64Bit- Slots, umgekehrt gilt dies aber
nicht. Auch bei der Taktfrequenz des PCI-Bus muss man aufpassen, dass man
einen 66MHz-Bus nicht durch eine 33MHz-Karte ausbremst.
12.3.5
BIOS
"BIOS-Chip ziehen - ist das nicht gefährlich?" Ja, das ist es. Trotzdem
können auch ungelernte Hobby-Bastler selber einen BIOS-Chip ziehen, wenn
sie die nötige Vorsicht walten lassen. Gesockelte ROM´s, zu denen auch der
BIOS-Chip gehört, sollten eigentlich nur mit Spezialwerkzeugen gezogen
werden, nämlich mit sog. PLL-Zangen. Diese sind aber sehr teuer, weshalb
es auch ein kleiner Schraubenzieher tun sollte. Es ist nur darauf zu
achten, den Chip gleichmäßig von _beiden_ Seiten aus dem Sockel zu hebeln,
damit die empfindlichen Beine der Chips nicht abgeknickt werden. Bringt
man hier die nötige Geduld auf, ist das Ziehen des BIOS-Chips keine große
Angelegenheit mehr. Beim Wiedereinbau eines BIOS-Chips ist unbedingt
darauf zu achten, dass dies richtig herum geschieht. Wird der Chip falsch
herum aufgesteckt wird er im günstigsten Fall nur heiss - im Ungünstigsten
ist er danach defekt und muss ebenfalls wieder ausgetauscht werden.
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